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Formular: Aus Fehlern lernen

Gitte Härter • 17.11.2008 • email Weiterempfehlen

Mit die wichtigste Eigenschaft, die Sie als Unternehmer brauchen, ist es, mit Fehlern konstruktiv umgehen zu können. Es wird Ihnen immer wieder einmal passieren, dass Sie etwas verbocken, in eine ungute Situation geraten, die Sie vielleicht schon haben kommen sehen, oder aber eine Niederlage erleiden.

Wie schnell Sie darüber hinwegkommen und vor allen Dingen, wie gut Sie daraus für die Zukunft lernen, entscheidet über Ihren Geschäftserfolg und über Ihr Selbstbewusstsein.

Sich nur zu ärgern bringt Ihnen gar nichts

Wenn Sie sich nur ärgern, eine ungute Situation wieder und wieder gedanklich aufwärmen, sich selbst beschimpfen, dann drehen Sie sich im Kreis. Wenn es wirklich ein „blöder“ Fehler war, den Sie sich nicht gut verzeihen können, dann kratzen Sie an Ihrem Selbstbewusstsein herum. Vor allen Dingen aber blockieren solche Gedanken wie:

  • „Das hätte mir nicht passieren dürfen!“ 

  • „Ich Idiot!“ 

  • „Ich habe es noch kommen sehen und trotzdem xy gemacht.“ 

  • „XY ist Schuld, weil …“ 

  • „Immer passiert mir so was …“ 

  • „Ich kann das einfach nicht, das ist wieder mal die Bestätigung.“

Besonders übel ist es, wenn Sie mit Fehlern oder falschen Entscheidungen noch lange hadern und sich in den Hintern beißen könnten.

Damit wir uns richtig verstehen: Natürlich ist es okay, bei akutem Ärger in die Tischplatte zu beißen oder den Kopf über sich selbst – oder andere – zu schütteln. Ich finde das ganz normal und auch gesund. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die es gar nicht so weit kommen lassen, alles gut annehmen können, ist das wunderbar. Wenn Sie emotional reagieren, dann tun Sie das. Doch Ärger ist nur dann hilfreich, wenn Sie nicht daran festhalten, sondern das Ganze dann auf konstruktives Terrain umlenken. Eine wunderbar einfache Frage dafür ist:

Was lerne ich daraus?

In unserem Beitrag Wer Fehler macht und daraus lernt, ist ein Gewinner haben wir schon mal kurz darüber gesprochen, dass man nicht jeden Fehler selbst machen muss und dass man mit Selbstreflexion herangehen sollte. Da das ein wichtiges Thema ist, das gerade, wenn Sie sich Fehler nur schwer verzeihen können, auch ganz schön schwierig sein kann, möchte ich es anhand eines Beispiels konkretisieren.

Ich finde es sehr hilfreich, mit anderen darüber zu reden, oder, wenn Sie alleine arbeiten, laut mit sich darüber zu sprechen. Tatsächlich hat es eine andere Qualität, und Sie werden sehen, dass Sie viel strukturierter herangehen, als wenn Sie alles einfach still im Kopf hin und her bewegen. Je mehr Sie mit einem Fehler hadern oder sich aufregen, desto unstrukturierter wird’s normalerweise.

Sehr hilfreich ist eine Zusammenfassung:

  1. Was war da los? 
Sie rekapitulieren in sachlichen zwei oder drei Sätzen, was vorgefallen ist.

  2. Was waren die genauen Ursachen dafür? 
Sie ziehen ein konkretes Fazit, was zu diesem Fehler geführt hat.

  3. Wie könnte ich wirklich sicherstellen, dass ich diesen Fehler nicht noch einmal mache?
Sie überlegen sich ganz konkrete Punkte, die Sie das nächste Mal beachten wollen.

Zum Beispiel: Sie haben einen größeren Auftrag völlig falsch eingeschätzt, haben zu wenig Honorar kalkuliert, brauchen noch dazu viel länger und zahlen dadurch fast drauf. Jetzt fühlen Sie sich ausgebeutet und gehen nur widerwillig an die Arbeit.

1. Was war da los?

Der Auftrag lohnt sich für mich nicht. Ich habe meinen Zeitaufwand unterschätzt und ich habe ohnehin zu wenig Honorar angesetzt. Jetzt bin ich demotiviert.

2. Was waren die genauen Ursachen dafür?

Sie hinterfragen jeden in Punkt 1 genannten Fehler, etwa: Warum habe ich den Zeitaufwand so unterschätzt? – Dass ich viel zu wenig Zeit berücksichtigt habe, lag daran, dass ich vorher nicht genug nachgefragt habe und ad hoc am Telefon einen Preis genannt habe. Gerade bei größeren Projekten ist es wichtig, dass ich mir die Zeit nehme, wirklich zu kalkulieren.

Ich neige dazu, zu wenig Honorar anzusetzen, und handle mich selbst oft zusätzlich vorher runter, weil ich annehme, dass dem Kunden das zu teuer sein könnte (Warum neige ich dazu? Wie realistisch ist meine Preispolitik?)

Ich kann meinem Kunden jetzt nicht die Schuld geben, denn er beutet mich ja nicht aus, sondern zahlt das, was ich ihm angeboten habe. Demotiviert zu sein nimmt mir jegliche Freude, und ich kann jetzt den Kunden nicht dafür büßen lassen, dass ich falsch kalkuliert habe.

Tipp: Wenn mehrere Personen beteiligt waren, dann fragen Sie sich auch: Was war mein Anteil? Was war der Anteil der anderen Beteiligten? Das hilft Ihnen dabei, von Schuldzuweisungen abzukommen.

3. Wie könnte ich wirklich sicherstellen, dass ich diesen Fehler nicht noch einmal mache?

Sie ziehen ein Fazit, was Sie tun werden: 
Ich werde das nächste Mal genauer hinterfragen, was alles zu einem Auftrag gehört. Ich werde mir Kriterien überlegen, die für Art und Umfang des Auftrags relevant sind, so dass ich gezielt vor Abgabe des Angebots kalkulieren kann. Ich werde nie mehr spontan am Telefon einen Preis nennen. Auch wenn es eilig ist, rufe ich lieber nach einigen Minuten zurück, damit ich in Ruhe überlegen kann.

Ich werde bei meinem Angebot mehr Honorar verlangen und mich nicht von vornherein selbst runterhandeln. Da ich weiß, dass ich mich schwer damit tue, werde ich mir speziell dafür ein Training oder ein Coaching suchen.

Ich werde in meinem Angebot einen variablen Stundensatz anführen, damit ich unvorhergesehene Zusatzleistungen separat abrechnen kann.

Ich werde diesem Kunden nach Abschluss des Projekts sagen, wie viel Zeit ich tatsächlich gebraucht habe, damit weder er noch ich mich daran gebunden fühle, das nächste Mal wieder so günstig anzubieten.

Das Ziel der Übung ist, dass Sie nach und nach automatisch besser – also konstruktiver – mit Fehlern umgehen können und vor allen Dingen keine Fehler zweimal machen. Sie arbeiten also mit jedem Mal, mit dem Sie diese Fragen durchgehen, an Ihrer persönlichen Weiterentwicklung und Ihrem Geschäftserfolg.

Hier finden Sie alle Fragen noch einmal als Poster zum Download.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: Heike Eberle am 18.11.2008
Hallo Gitte,

ein schöner Beitrag, bei dem ich einige Aha-Effekte gehabt habe. Im Sommer dieses Jahres angelte ich einen Handwerkerkunden, den ich bei der Akquise regelrecht unterstützte. Ich machte ihm wohlüberlegt ein Angebot, das auch schriftlich und mit einer klaren, konkreten Leistungsbeschreibung. Im Laufe der Beratung/des Coachings steigerte ich mich in dieses Projekt rein, so dass ich zwar leise ankündigte, dass die ursprünglichen Leistungen um ein Vielfaches stiegen, aber dann passierte Folgendes: Der Handwerker zahlte nicht auf meine Rechnung, er hatte, das wusste ich, auch Liquditätsengpässe. Aber er zuckte sich eine ganze Weile nicht. Und als ich nochmals einen Anlauf machte, fragte er, ob es auch okay wäre, die ursprüngl.vereinbarte Summe zu zahlen. Ich war in diesem Moment zu weich, auch nicht darauf gefasst und schlug ein. Aber in mir brodelte es. Was lerne ich daraus? Zu meinen Leistungen stehen und diese auch durchsetzen lernen. Nicht nachgiebig sein, nur weil jemand Zahlungsschwierigkeiten hat. Es gibt auch andere Möglichkeiten, Engpässe zu überwinden, durch z.B. Ratenzahlungen.

Viele liebe Grüße
Heike
Von: Gitte Härter am 18.11.2008
Hallo Heike,

sowas sind die bitteren Momente, die die meisten so ähnlich auch durchgemacht haben. Da heißt es echt: schlucken, als Erfahrung verbuchen und beim nächsten Mal dann besser.

Auch wenn es um viel Geld ging, kann es das nächste Mal um viel mehr gehen, insofern könnte das auch was Gutes gehabt haben.

Letztlich ist aber genau das ja der Punkt: Sich nicht vorschnell zu etwas überrumpeln lassen und, wie Du schön aufzählst, eine der anderen zahlreichen Möglichkeiten einfließen lassen.

Wobei, wenn ein Kunde wirklich enorme Zahlungsschwierigkeiten hat, es manchmal auch klug sein kann, es so zu machen wie Du es da gemacht hast und damit die Sache erledigt zu haben. Oder im Zweifelsfall das nächste Mal nur gegen Vorschuss - gerade, wenn jemand schon mit Schwierigkeiten kommt. Bei Deinem Fach siehst Du das manchmal ja sogar.

Einen schönen Nachmittag
Gitte
Von: fischer am 01.07.2009
eine der besten internetseiten die ich erlebt habe....konkret - alles auf einen punkt gebracht -überschaubar ...und das beste--man kann sehr sehr viel lernen danke
Von: Gitte Härter am 01.07.2009
Guten Abend Frau oder Herr Fischer,

ganz herzlichen Dank für für Ihr schönes Kompliment zu unserer Website - das ist eine schöne Motivation.

Viele Grüße
Gitte Härter
Von: Rosemarie am 27.07.2009
...ich kann mich Herrn oder Frau Fischer nur anschließen.
Hätte ich diese wunderbare Seite zu Zeiten meines Blumenfachgeschäftes gehabt, wäre ich vielleicht nicht insolvent gegangen.
Hätte-wäre-wenn wink)

Lernen können wir jeden Tag aufs Neue.
Mit neuem Mut und neuen Erkenntnissen, die hier ganz großartig aufgezeigt werden finden sich neue Wege.

Danke für die liebevolle und informative Seite.
Liebe Grüße an das gesamte Team
Rosemarie
Von: Gitte Härter am 27.07.2009
Guten Abend Rosemarie,

oooh, was für ein großes Kompliment. Herzlichen Dank im Namen von uns allen 3. grin

>>Lernen können wir jeden Tag aufs Neue.

Ganz genau! Ist das nicht schön? Zu sehen: Ach, heute mach ich Dinge anders (oft gerade WEIL etwas mal in die Hose gegangen ist). - Oder auch etwas Gelesenes einfach mal zu probieren und zu schauen, wie's so ist, ob's für mich passt, ob ich mir einen Teil davon rauspicken oder alles irgendwie für mich "verdrehen" und passend machen will ...

Auf wiederlesen
Gitte

 

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