Erfolgsprinzipien

Vier wichtige Fragen -  2: Was machen Sie beruflich?

Gitte Härter • 14.06.2010 • email Weiterempfehlen

Die zweite der vier Fragen lautet „Was machen Sie beruflich?“.

Wie immer: Wenn Sie die Frage noch nicht beantwortet haben, dann tun Sie das bitte nun, bevor Sie weiterlesen.

Welche der folgenden Antworten kommt Ihrer eigenen besonderes nahe?

a) Ein Slogan: Haben Sie sofort ganz schnittig einen Slogan runtergerasselt, den Sie sich bereits gut überlegt hatten bzw. schon in einem Training, Coaching oder mit einem Buch erarbeitet hatten?

b) Gestammel: Haben Sie sich total schwer getan und sind beim spontanen Formulieren ins Stammeln gekommen (Sie erinnern sich: Ich hatte Sie gebeten, wirklich spontan zu sein und nichts groß zu überlegen oder gar nachträglich zu verbessern)?

c) Beruf nennen: Haben Sie einfach geschrieben „Ich bin (Beruf).“?

d) Bauchladen: Gibt es eine längere Aufzählung oder werden mehrere Bereiche mit „und“ verbunden?

e) Teilantwort: Ist Ihre Antwort zwar richtig, aber gibt nur einen Teil Ihrer Berufstätigkeit an? Haben Sie also irgendetwas unter den Tisch fallen lassen?

f) Aussage mit Motivation: Haben Sie Ihren Beruf umschrieben à la „Ich helfe anderen Menschen ...“ oder „Ich bringe Unternehmen weiter, indem ich“?

 

Das sind die häufigsten Antworten, die mir über den Weg laufen. Natürlich gibt es wieder viele weitere Varianten – und Mischformen.


In dieser Frage stecken wiederum mehrere Facetten:

  • Bin ich in der Lage, wirklich auf den Punkt zu bringen, was ich tue?
  • Versteht jeder, wofür man mich beauftragen kann?
  • Wie selbstbewusst bin ich?
  • Und: Lade ich schon hier zum Handeln oder zu Dumpingpreisen ein?

Bin ich in der Lage, wirklich auf den Punkt zu bringen, was ich tue?

Klar: Es ist wichtig, kurz und knackig sagen zu können, was man tut. Das wissen wir alle. Und einige von Ihnen werden schon einen Satz parat haben, den Sie sich erarbeitet oder vorab ausgedacht haben.

Nehmen Sie die Gelegenheit war, diesen Satz einmal näher zu überprüfen: Ist er für Außenstehende, vor allen Dingen für Menschen, die mit Ihrer Arbeit nicht so viel am Hut haben, wirklich verständlich?

Wirkt er animierend und „echt“ oder eher etwas gestelzt und auswendig gelernt? Ist er vielleicht etwas zu werblich?

Kommt er Ihnen leicht von den Lippen, finden Sie sich drin wieder? Oder ist es zwar ein guter Satz, aber tatsächlich entspricht er Ihnen nicht so. Wirkt vielleicht zu sperrig oder gar “großkotzig”? Oder kommen Sie sich vielleicht sogar ein wenig wie ein Hochstapler vor?

Versteht jeder, wofür man mich beauftragen kann?

Denken Sie bitte daran, dass viele Begriffe, die für Sie völlig normal sind, für Außenstehende nicht unbedingt verständlich sind. So können viele Leute nichts mit Begriffen wie „Ingenieur“ oder „Entwickler“ anfangen – je nachdem, mit wem Sie reden, ist aber auch schon „Marketing“ zu kompliziert.

Ich habe in Trainings immer gesagt: „Erklärt es so, dass meine Mutter es auch versteht.“ Soetwas ist immer ein guter Maßstab.

Ihre Antwort auf die Frage, was Sie beruflich machen, muss es schaffen,

  • dass man sich an Sie erinnert und
  • dass man Sie in die RICHTIGE Gehirn-Schublade packt

Das heißt manchmal auch, sich zu begrenzen. Wer tausend Sachen macht und diese dem anderen alle auf einmal in den Rachen stopfen will, erreicht meistens genau das Gegenteil: Man kann sich noch weniger merken, erinnert sich vielleicht hauptsächlich an eine Nebensache oder, noch schlimmer: durch einen Bauchladen-Eindruck verlieren Sie Vertrauen.

Und das ist wirklich noch schlimmer als gedacht. Denn in dem Moment, wo Sie sich jemandem vorstellen, speichert dieser auch gleich einen Eindruck: „Ich glaube, er/sie hat was auf dem Kasten!“ oder „Er/sie ist mir sympathisch, ich will mich an die Person erinnern.“ – oder aber „Uhoh ... das ist ein Schwätzer“ oder „Er/sie glaubt, alles zu können“.

Bei letzterem Eindruck ist die Wahrscheinlichkeit leider groß, dass Ihr Gegenüber (oder Leser) direkt beschließt: „Muss ich mir gar nicht erst merken!“ und schon sind Sie in der gedanklichen Ablage P gelandet.

Wie selbstbewusst bin ich?

Ob Sie es schaffen, direkt, klar und verständlich auf den Punkt zu bringen, was Sie tun, entscheidet auch darüber, wie sicher Sie rüberkommen.

Wer stammelt, wirkt unsicher.

Wer sich verheddert oder eine Endloslatte an „und und“ oder „zum Beispiel zum Beispiel“ aneinanderreiht, wirkt sehr unkoordiniert und nicht sonderlich vorbereitet.

Wer recht werblich oder angeberisch rüberkommt, wirkt nicht sonderlich sympathisch und distanziert.

Das gilt sowohl für die gesprochene, als auch für die geschriebene Antwort. Prüfen Sie die Antwort unbedingt auch auf die Wirkung. Auf andere und wie es sich für Sie anfühlt, wenn Sie den Satz lesen oder aussprechen. Bin das ich?

Fragen Sie sich bitte auch, ob Sie das NOCH sind. Manchmal verändern sich Motive und Ziele natürlich auch: So kann es sein, dass Sie eine super Antwort aufgeschrieben haben, mit der Sie sich - ehrlich gesagt - aber gar nicht mehr so identifizieren. Ein wichtiger Hinweis!

Zum Schluss noch ein ganz wichtiges Detail:

Lade ich schon hier zum Handeln oder zu Dumpingpreisen ein?

Es gibt Selbstständige, die schon in der Vorstellung den Eindruck erwecken, dass sie „billig“ sind oder gar kostenfrei tätig werden. Meiner Beobachtung nach sind das meistens frischgebackene Selbstständige, häufig welche aus sozialen Berufen (oder mit Helfer-Motiven).

Ganz weit vorne ist die Formulierung mit „Ich helfe ...“ – oder sonstige zurückhaltende Formulierungen, die – oft sogar bewusst – einen Business-Touch ausklammern. Weil es den Selbstständigen nicht angenehm ist oder weil sie denken, es sei nicht schicklich, businessmäßig aufzutreten.

Wenn das bei Ihnen der Fall ist: Gewöhnen Sie sich das ganz schnell ab! Ich weiß, dass das leichter gesagt ist. Die gute Nachricht: In diesem Fall geht das Abgewöhnen tatsächlich relativ schnell:

Formulieren Sie Ihre Vorstellung um und nützen Sie die neue, selbstbewusste und „businessmäßige“ Formulierung. Das geht Ihnen dann mehr und mehr ins Blut über.

 

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Anmerkungen & Kommentare

Von: ulla vogeley am 14.06.2010
Liebe Gitte,
erwischt!! grin Ich empfinde nun meine Antwort von vor 2 Wochen nur bedingt als eine "Aussage mit Motivation", die ich für die nützlichste in Deiner Aufzählung halte und gehe jetzt erstmal in die Ecke und schäme mich...

Nee, ich habe sofortigst spontan neu getextet und bleibe dran, das noch besser auszufeilen.
Lieben Dank für diesen wunderbaren weiteren Erfolgs-Impuls!

sonnige Grüße
Ulla
Von: Beatrix Philippin am 14.06.2010
Da gehen mir tausend Lichter auf ...kommt genau richtig zur Planung meines neuen Flyers - DANKE!
Liebe Grüße
Beatrix
Von: Sinah Altmann am 14.06.2010
Endlich mal etwas, wo ich stolz auf mich sein kann! wink

Meine Slogan lautet:

Sinah Altmann ... damit es prima läuft!

In "... damit es prima läuft!" verstecke ich meine verschiedenen Standbeine:

a) höchst private Themen wie Selbstbewusstseinstraining für Frauen oder mein Trennungs-Vermeidungs-Programm für Beziehungen

b) berufliche Themen wie Bewerbungs-, Outplacement- oder ProfilPASS-Beratung

c) unternehmensrelevante Themen wie die Anwendung der LöhnMethode

Der Slogan kommt echt und ist ein wirklicher Aufhänger für Werbung und Akquisegespräche.

Hier muss ich also wohl nichts ändern ... *jubel*

Viele Grüsse, Sinah
Von: Beatric Floh am 15.06.2010
Wie gut, dass es jemanden gibt, der einen immer wieder daran erinnert, sich die richtigen Fragen zu stellen und sie auch zu beantworten. Vielen herzlichen Dank. Beatrice
Von: Gerit N. am 15.06.2010
Liebe Gitte,

das ist wieder ein ganz aktuelles und spannendes Thema, über das man sich, vor allem als Anfänger, zu wenig Gedanken macht. Aber wir haben ja Sie, um uns, mit der Materie näher zu befassen.
Es ist schon wichtig, daß man mit wenigen prägnanten Sätzen sein "Gewerbe" allen, die fragen, verständlich rüberbringen kann.
Also Danke für den "Anstoß", um es mal fußballerisch auszudrücken.
Grüße sendet Gerit N.
Von: Gitte Härter am 16.06.2010
Hallo zusammen,

herzlichen Dank für das Feedback! Ich freue mich, dass diverse "Lichter aufgehen". grin


@Sinah: Eine Kleinigkeit: Ich würde mir das "es" in "Damit es prima läuft!" nochmal vorknöpfen. ES ist sehr schwammig und man versteht mit dem Slogan alleine so noch nicht klar, in welche Richtung die Leistungen gehen. Selbst wenn es ein ganzer Strauß geht, der unter so ein "Dach" passt, so sollte das Dach so konkret wie nur irgendmöglich sein.

Ein "Damit es prima läuft!" könnte auch eine Autowerkstatt sein. grin Ich würde mir also Gedanken machen, wie der Slogan noch konkreter werden kann, also "Damit ... prima läuft." Welches Wort passt als schönes konkreteres Dach über die diversen Leistungen?

Viele Grüße
Gitte
Von: Sinah Altmann am 16.06.2010
Hallo Gitte,

danke für die Anregung! grin

Die praktischen Erfahrungen zeigen, dass "es" als Dach gut angenommen wird (HP, Visitenkarten, Flyer). Das "es" wird als Unterbau spezifiziert und wird ebenso angenommen.

Wie würdest du es machen? Wie die anderen?

Ich bin für Anregungen offen ...

VG Sinah
Von: Gitte Härter am 16.06.2010
Hallo Sinah,

es geht mir um diesen Punkt oben im Artikel:

>>Versteht jeder, wofür man mich beauftragen kann?

Wenn Du mir sagst: "Sinah Altmann ... damit es prima läuft." - und ich bin nicht auf der Website oder habe sonst Informationen, dann weiß ich nicht, was Du tust und auch nicht, wofür ich Dich beauftragen kann.

Nur darum habe ich eingehakt.

Wenn Du eh zufrieden bist damit, ignoriere meinen Hinweis einfach.

Viele Grüße
Gitte
Von: Volkert Brammer am 16.06.2010
Hallo Gitte,

zum Einen freue ich mich über den schnittigen Slogan "Ich bin Trainer und Coach und ermögliche Klärungshilfe für berufliche Herausforderungen". Dazu eine Aufzählung von 5 Schwerpunkten. Und dann merke ich dank deiner vielen, vielen Fragen, dass der Test im Windkanal ergibt: Noch zu schwammig und noch konkreter werden kann. Und: welcher Trainer oder Coach macht keine Klärungshilfe?
Hast du Anregungen, wie ich´s auf den Punkt bringen kann?

Lieben Gruß
Volkert
Von: Norbert Lewin am 19.06.2010
Hallo Gitte,der Artikel zeigt mir den richtige Weg der eigenen Vorstellung mit meinen kompetenzen. Das kenne ich von irgendwo her, vielleicht auch von Euch. Das kurze knappe und konkrete Vorstellen mit dem eigenen "Verkauf" kenne ich unter Elevator Pitch.
Ich habe mir auch einen EP angeeignet, der in drei Minuten das Wichtigste zusammen fasst. Herzliche Grüße, Norbert Lewin
Von: Gitte Härter am 21.06.2010
@Volkert:
Ja, das hört sich so an, als ob Du etwas zu früh aufgehört hättest. grin Will heißen: oft umreißt man die Dinge schon ziemlich gut und selbst klingt es auch schon "fertig" (weil wir genau wissen, was gemeint ist und was damit zusammenhängt) - aber aus Kundensicht ist es noch zu sperrig, vage oder tatsächlich, wie Du schon selbst merkst, zu allgemein halten.

Auf den Punkt bringen kannst Du es, wenn Du das, was Du schon hast, jetzt noch weiter konkretisierst (also nicht schon end-formulieren wollen, sondern erstmal für Dich konkretisieren):
- Was ist "Klärungshilfe"?
- Was nützt es mir, wenn ich das geklärt habe, was es zu klären gibt?
- Von welchen "beruflichen Herausforderungen" sprechen wir hier?

Am besten geht es, wenn man parallel dazu auch mal festlegt: "Ein Coaching bei mir ist das Richtige für Sie, wenn Sie ..." und dann mal ganz KONKRET schreibt wer/womit/warum in das Coaching kommen soll.

Aber Vorsicht: Es geht hier nicht um werbliche Argumente oder um das Aufzählen von Zielgruppen. Sondern es geht darum, konkrete Anlässe/Situationen/persönliche Gegebenheiten zu nennen und diese mit dem Problem bzw. Lösung/Nutzen zu versehen.

Wenn dann die konkreten Argumente stehen, heißt es sie, so zu formulieren, dass sie EINDEUTIG und keinsfalls sperrig sind (sowas wie "Klärungshilfe" oder "berufliche Herausforderungen" wäre, wie gesagt, zu sperrig und nicht klar genug).


@Norbert
Danke. Ja, Elevator Pitch ist eine Sache. Doch wie sich oben im Artikel zeigt, ist mir besonders wichtig, die weiteren Facetten, die in dieser Frage stecken, eben auch mal mit im Blick zuhalten.


Einen schönen Nachmittag
Gitte

 

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