Twitter (2): Ernstzunehmend oder Spielerei?
Beides. Je nach Anwender. Wie das immer so ist. Vielleicht haben Sie gerade in letzter Zeit mitbekommen, dass in den USA ein regelrechter Wettbewerb entbrannte, wer als Erster die „1 Million Follower“ knackt. Es war der Schauspieler Ashton Kutcher, der mittlerweile über unfassbare 1,6 Mio. Follower hat. Das kam sogar im Fernsehen!
Daran sieht man schon das Potenzial: Auch wenn die wenigsten von uns 1 Million Twitter-Leser bekommen werden
, so kann schon ein drei- oder vierstelliger Bereich für Ihr Business wahnsinnig interessant sein.
Es kommt zunächst einmal darauf an, welche Ziele Sie damit verfolgen. Machen wir uns nichts vor: Ein Dienst wie Twitter beansprucht Zeit. Das muss nicht zwingend viel Zeit sein, denn ob etwas ein Zeitfresser ist, liegt immer noch am Anwender, aber es gilt natürlich auch hier: Von nichts kommt nichts.
Ich habe mir die letzten beiden Wochenenden sehr viele Twitter-Seiten angesehen und eines meiner Vorurteile auch bestätigt bekommen: Es gibt sehr viele Nutzer, die Twittern nur zum Plaudern nutzen. Das ist natürlich legitim, denn Twitter als Spaßdienst und für Pausen zu nutzen ist sicherlich ein Teil des Reizes.
Mir selbst steht nicht der Sinn nach ausgiebigen Plaudereien. Auch wenn ich mich immer – wie auch hier im Blog – über einen kleinen Plausch oder auch mal über eine Zerstreuung freue, so finde ich Twitter als Marketingwerkzeug interessant. Gelingt es mir, neue Interessenten oder Kunden für unternehmenskick.de, selbstmarketing.de und meine Bücher zu gewinnen? Wenn ich ein Seminar mache und mal eben x Follower darüber informieren kann, dann ist das eine tolle Sache.
Ich habe mir zig vornehmlich englischsprachige Websites zum Thema, was einem Twitter bringen kann, durchgelesen und mich durch zahlreiche sehr erfolgreiche Twitterseiten geklickt: Das ist schon beachtlich, was man da auf die Beine stellen kann und neben einem guten Marketingkanal sich persönlich zeigen und mit Kunden und Interessierten schnell interagieren kann.
Wie gesagt: Kann.
Wie immer im Business ist es so, dass Sie sich Ihre Ziele definieren sollten, bevor Sie loslegen.
Was beabsichtigen Sie?
- Haben Sie einfach Lust, andere an Ihrem Leben teilhaben zu lassen?
- Möchten Sie eine Art öffentliches Kurztagebuch schreiben?
- Suchen Sie Anschluss?
- Möchten Sie eher auf privater Ebene mit Freunden und Bekannten plaudern?
- Wollen Sie ausschließlich Ihre Leistungen oder Ihr Blog promoten?
- Möchten Sie sich Ihren Kunden und Geschäftspartnern von einer neuen Seite zeigen?
- Ist es Ihr Anliegen, sich menschlich greifbarer zu machen?
- Arbeiten Sie in einem Bereich, wo es vorteilhaft ist oder fast sein muss, dass Sie bei Twitter vertreten sind?
- Wollen Sie sich international ins Gespräch bringen und etwa auf Englisch twittern?
- Haben Sie ein klares Thema wie „Jeden Tag ein Fremdwort“, Zitate, Organisationstipps, das Sie zur Kundenbindung nutzen möchten?
Überlegen Sie sich solche Fragen vorab und fragen Sie sich auch, ob Sie sich so etwas Regelmäßiges ans Bein binden möchten. Man sollte schon auch Spaß dran haben. Denn auch wenn es einige Twitterseiten gibt, deren Betreiber ausschließlich Eigenwerbung posten, so ist das doch weniger spannend. Zumal, wenn Sie bereits eine Website oder ein Blog haben, wo diese Information auch zu bekommen ist.
Schließlich ist relevant, ob Sie bereit sind, Zeit zu investieren. Twitter lebt von Regelmäßigkeit. Und idealerweise von mehreren kleineren Tweets über den Tag verteilt. Ein Twitterprofil, und da habe ich einige gefunden, die seit Tagen, Wochen oder gar Monaten keinen Beitrag hatte, ist sogar kontraproduktiv, wenn Sie es für Ihr Business verwenden.
Zeit
Ich bin ja, wie gesagt, selbst noch nicht lange dabei – aber ob Twitter Ihnen Zeit stiehlt oder nicht, hängt von Ihnen ab.
- Ein Aspekt ist, wem genau (warum) Sie „folgen“. Denn je höher die Anzahl, desto mehr werden Sie mit deren Tweets bestürmt. Wenn Sie den Anspruch haben, das wirklich alles zu lesen, sollten Sie restriktiv auswählen, wessen Updates Sie abonnieren. Zum Thema „Follower“ kommen wir morgen.
- Das Allererste, was ich gemacht habe, ist, die automatischen E-Mail-Benachrichtigungen abzustellen (das geht in SETTINGS, Tab: Notices). Dort können Sie einstellen, ob Sie erinnert werden möchten, wenn Sie 24 Stunden lang keine Nachricht gepostet haben. Sie können sich benachrichtigen lassen, wenn Sie einen neuen Follower haben, wenn eine direkte Nachricht angekommen ist und Sie können Updates per E-Mail bekommen. Das würde mich persönlich irre machen: Denn da werden Sie wirklich ständig unterbrochen und abgelenkt. Sie haben den Faktor Zeit besser im Griff, wenn Sie entscheiden, wann Sie sich einloggen.
- Schaffen Sie Platz für das Neue, indem was Altes wegfällt. Ich habe beispielsweise früher ein Forum regelmäßig besucht und dort mitgelesen. Das habe ich jetzt abgeschafft und schaue stattdessen in einer Pause mal mittags und abends bei Twitter rein.
- Für Postings zwischendurch können Sie kleine Zusatzprogramme nutzen, bei denen Sie sich nicht über Twitter einloggen müssen (und dadurch auch nicht durch aktuelle Updates anderer abgelenkt sind), sondern direkt über Ihren Browser eine Nachricht absetzen können. Für den Firefox gibt es beispielsweise „Twitterbar“: dort gibt man seine Nachricht einfach in die Browserleiste ein, klickt sie weg und schon ist die Nachricht bei Twitter. Das dauert nur wenige Sekunden zwischendurch, so wie es eigentlich gedacht ist.
Wenn erfahrene Twitter unter uns sind: Was sind Ihre Erfahrungen zu Nutzen und Zeit?
Morgen geht es darum, was es mit „Following“ auf sich hat.
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