Warum sich viele Selbstständige so schwertun
Der Sinn und Zweck eines Unternehmens ist es, Profit zu machen. Oops, jetzt habe ich das P-Wort gesagt. Eigentlich darf man ja das Wort „Profit“ nicht mehr sagen. Das klingt gleich nach Gier, Heuschrecken und unmoralischen Menschen, die sich auf Kosten der anderen bereichern. Nicht nur durch die Bankenkrise hat das Wort irgendwie einen komischen Beigeschmack bekommen.
Dabei bedeutet „Profit machen“ ja nichts anderes, als dass das eigene Unternehmen einen Gewinn abwirft und man ordentlich davon leben kann.
Die Sache mit dem Wort Profit zeigt, in welchem moralischen Spannungsfeld man sich als Selbstständiger oder Unternehmer bewegt.
Man muss so viel Geld machen, dass es zum Leben reicht. Aber zu viel ist auch nicht gut, dann wird man gleich mit den Ausbeutern, Kapitalisten und Unternehmerschweinen in einen Topf geworfen.
Wenn eine Selbstständigkeit scheitert, dann ist nicht selten ein verkrampfter Umgang mit den Themen Geld, Gewinn, Profit und finanzieller Erfolg dafür verantwortlich.
Wem es irgendwie peinlich ist, ordentlich Geld zu verdienen und ordentliche Preise für die eigenen Leistungen zu nehmen, der hat es naturgemäß schwer, wirtschaftlich erfolgreich zu werden.
Wie ist das bei Ihnen: Ist es Ihnen irgendwie unangenehm, so richtig Geld zu verdienen?
Falls ja, kann das verschiedene Ursachen haben.
Eine Ursache kann unsere Erziehung sein. Wer von seinen Eltern immer vermittelt bekommt, dass wohlhabende Menschen immer irgendwie die Bösen sind oder dass Geld den Charakter verdirbt, der tut sich später schwer, selbst wohlhabend zu werden.
Eine andere Ursache ist ein schlechtes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel. Wenn ich das Gefühl habe, ich bin selbst nicht so viel wert und ich habe die guten Dinge im Leben nicht so richtig verdient, dann halte ich auch oft unbewusst das Geld auf Abstand. Wobei das nicht grundsätzlich so sein muss. Nicht wenige sehr erfolgreiche Selbstständige überkompensieren ihren Minderwertigkeitskomplex dadurch, dass sie besonders viel Geld verdienen und es den anderen zeigen. Aber es lohnt sich trotzdem, in diese Richtung zu gucken, wenn es finanziell nicht so richtig laufen will.
Auch Freunde oder ein Umfeld, die einem den eigenen Wohlstand missgönnen und bei denen man ständig ein Schuldgefühl hat, weil es einem gut geht, sind sehr kontraproduktiv.
Zu all dem kommen auch noch die Medien. Haben Sie mal eine Berichterstattung gesehen, wo über das soziale Engagement einer Firma gesprochen wurde oder über die vielen guten Dinge in unseren Wirtschaftsunternehmen? Wenn eine Nachricht es bis in die „Tageschau“ schafft, dann ist es meistens ein Skandal, ein Betrugsfall oder sonst eine Schweinerei, wo sich wieder die böse Wirtschaft auf Kosten der Steuerzahler oder des kleinen Mannes bereichert hat. Natürlich passieren solche Dinge, und bestimmt nicht selten. Es passiert aber auch viel Gutes in der deutschen Wirtschaft, aber darüber wird nicht berichtet.
Durch diese einseitige Berichterstattung findet eine gesellschaftliche Indoktrination statt: Wirtschaft und Unternehmen sind gierig, unmoralisch und unsozial. Und wer möchte denn schon gerne als Teil eines Systems gesehen werden, das eine so schlechte Presse hat.
Als Unternehmer bewegen wir uns in einem Spannungsfeld. Wir wollen, ja wir müssen Profit machen. Aber es ist auch irgendwie nicht richtig, Profit zu machen.
Und damit muss man klarkommen. Dieses Spannungsfeld muss man aushalten und innerlich seinen eigenen Standpunkt zum Thema festlegen, damit man nicht einfach nur die gesellschaftlich geprägte Definition übernimmt.
Denn sonst bewegt man sich unbewusst immer in Richtung Misserfolg. Ja, niemand hat gesagt, dass es einfach ist, selbstständig zu sein. ![]()
Wie ist das bei Ihnen? Wie geht es Ihnen mit dem Thema Geld und Profit?
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Anmerkungen & Kommentare
Die Einstellung und das Verhalten zum Geld sind der eigentliche Knackpunkt eines jeden. Wenn diese gut ist, definiert man z.B. das Wort "Profit" auch aus einem ganz anderen Blickwinkel und muss es nicht verschönern z.B. mit dem Wort "Gewinn".
Und noch etwas Ralf hat es sehr schön beschrieben. Wie hoch ist der Selbstwert eines jeden Einzelnen, habe ich das überhaupt verdient? Mit normaler Arbeit kann keiner Reich werden etc.
Das sind alles Alte Prägungen aus der Vergangenheit, die aufgeräumt werden sollten. Geld ist Energie und Energie nährt uns.
Nutzen Sie vielleicht die freien Tage zwischen Weihnachten einmal um mal bei sich zu prüfen, wie Ihr Verhältnis zu Geld ist.
Übrigens, es gab vor ein paar Jahren mal einen Sender der hat nur positive Nachrichten gebracht. Es war ein Pilotprojekt und lief sehr gut. Allerdings wurde er nach kurzer Zeit wieder abgesetzt. Jedoch nicht wegen geringer Zuschauerquoten, sondern wegen der Kritik anderer Sender, die Angst vor Machtverlust hatten.
Ich wünsch euch allen noch einen schönen und lukrativen Tag!
Ich glaube übrigens, dass das Ersetzen des Wortes Profit durch Gewinn gar nicht so einen großen Unterschied machen wird.
Es geht letztlich um die Frage: Wie viel Geld erlaube ich mir zu verdienen?
Ab welchem Kontostand würde ich mich anfangen unwohl zu fühlen?
Ab 20.000 € ?
Ab 50.000 € ?
Ab 100.000 € ?
Ab 250.000 € ?
Ab 500.000 € ?
Ab 1.000.000 € ?
Oder ab wann?
Die meisten Menschen haben ein ziemlich konkretes Gefühl, welche Summe sicht noch richtig anfühlt und wie viel Geld zu viel wäre?
ich verstehe ehrlich gesagt das formulierte Problem nicht ganz. Einen negativen Beigeschmack bekommt der Profit doch nur, wenn er auf Kosten anderer gemacht wird: ein Unternehmen macht Profit, weil es mit 1-Euro-Jobbern die Umsätze direkt einfahren kann. Wenn es unehrlich oder halbseiden Profit gemacht wird oder wie gesagt auf Kosten Dritter, dann bitte schämen.
Ansonsten bringe ich doch eine transparente Leistung für die jemand freiwillig bezahlt, äh also, so ist das bei mir zumindest ...
Denn ich habe selbst all die klassischen Phasen durchlaufen, die es mir erst einmal schwer machten, wirklich vernünftiges Geld für meine Leistungen zu verlangen und mir es (vorher) erst einmal zu gestatten, dieses Geld verdienen zu wollen.
Denn während meines Studiums zu Zeiten der Studentenbewegung waren es die "bösen Kapitalisten", später dann kam die "spirituelle Armut"- wie auch immer, nur arm war man ein guter Mensch
Solche Glaubenssätze sitzen tief (zumal ich ein "Arbeiterkind" war, wo es zu Hause nicht viel Geld gab)und es hat mich einiges an innerer Arbeit gekostet, da Veränderungen zu installieren.
Hilfreich fand ich beispielsweise die Äußerung, dass ich armen Menschen besser helfen kann, wenn ich reich bin
Auch der Begriff "Wertschätzungs-Honorar", der mal bei einem Coaching auftauchte, war so ein Meilenstein.
Wann fühle ich mich und meine Arbeit angemessen wertgeschätzt?
Immer wieder ein spannendes Thema- uns wie bei ALLEM, es kommt immer darauf an, wie ich etwas nutze und einsetze, ob es moralisch verwerflich oder super ist.
Zamyat
P.S. Da ich ja hier das "Spam-Orakel" entdeckt habe- nun schreibt es "school"- habe ich vielleicht etwas Oberlehrerhaft geschrieben?
Christoph
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