111 Fehlannahmen

Bitte anschnallen! Hier kommen 111 Annahmen, Glaubenssätze und Überzeugungen, die meistens falsch sind, die Ihnen aber ganz gehörig Schwierigkeiten machen können.

Das Lustige daran ist, dass Sie jetzt gleich einige Male ertappt grinsen werden … oder entsetzt die Augen aufreißen. Nehmen Sie sich doch gleich einen Stift zur Hand und kreuzen Sie die Statements an, die von Ihnen stammen könnten:

1. Als mein eigener Herr kann ich machen, was ich will, und werde auf Anhieb ganz viel Geld bekommen.

2. Bei Selbstzweifeln einfach eine Fortbildung nach der anderen besuchen.

3. Qualität setzt sich schon von alleine durch.

 

Kunden und Auftragslage:

4. Kunden wollen nicht mit einem Einzelunternehmer arbeiten, darum muss ich immer von „wir“ und „uns“ reden.

5. Ich muss – gerade am Anfang – jeden Auftrag annehmen.

6. Besonders, wenn jemand auf Empfehlung kommt, muss ich für ihn arbeiten.

7. Meine zufriedenen Kunden werden von sich aus allen erzählen, wie toll ich bin.

8. Wenn ich bei einem Kunden etwas verbocke, bin ich in der gesamten Branche unten durch, weil jeder jeden kennt.

9. Kunden arbeiten nur mit einem, wenn man eine einschlägige Ausbildung hat.

10. Kunden arbeiten nur mit einem, wenn man Referenzen hat.

11. Bestimmt kommt gleich eine Absage.

12. Bestimmt sagt er das nur aus Höflichkeit.

13. Ein Kunde ist nur dann zufrieden, wenn er bekommt, was er will.

14. Ich melde mich erst, wenn ich fertig bin (oder die Information parat habe).

15. Wenn ich Fragen stelle, denkt der Kunde, ich habe es nicht im Griff.

16. Man kann die Auftragslage nicht beeinflussen.

17. Das liegt am Markt.

18. Das liegt am Sommerloch.

19. Das liegt an Weihnachten.

20. Während der großen Messen passiert gar nichts.

21. Alle Unternehmen sparen (an genau meiner Leistung).

22. Ich muss alles mitmachen und mir alles gefallen lassen – immerhin zahlt der Kunde.

23. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu erfolgreich wirke.

24. Ich muss um jeden Preis megaerfolgreich wirken.

25. Ich kann mir meine Kunden ja nicht aussuchen.

26. Wenn ich mehr Geld nehme, springen meine Kunden ab.

27. Die Kunden gehen nur nach dem Preis.

 

Akquise, Marketing, PR:

28. Akquise ist nicht so mein Ding, ich konzentriere mich lieber auf mein Produkt/meine Leistung.

29. Mein Produkt ist gut, deswegen kommen die Kunden von alleine.

30. Mein Produkt spricht doch für sich.

31. Marketing kann ich mir nicht leisten.

32. Ich kann kein Marketing machen, weil die Wirtschaftslage so schlecht ist.

33. Journalisten interessieren sich bestimmt für mich, weil meine Sachen ja so spannend sind.

34. Ich habe ein Mailing verschickt. Jetzt kommen Anrufe.

35. Ich habe meinen Flyer verteilt. Jetzt kommen Anrufe.

36. Ich habe eine Anzeige gekauft. Jetzt kommen Aufträge.

37. Ich habe einen Messestand gebucht. Jetzt kommen Aufträge.

38. Ich biete dauernd kostenlose Leistungen als Anreiz an. Dadurch kommen später lauter bezahlte Aufträge.

39. Ich habe Gutscheine verteilt. Die werden jetzt reihenweise eingelöst.

40. Zeitungen und Zeitschriften drucken gerne Werbetexte ab.

41. Wenn eine Zeitschrift über mich berichten will, ist es normal, dass ich gleichzeitig eine Anzeige kaufen muss.

42. Mit diesem Auftrag habe ich den Fuß in der Branche.

43. Ich muss lauter teure Werbemittel produzieren, damit man mich ernst nimmt.

44. Ich habe kein Netzwerk.

45. Ich muss nur Netzwerken beitreten, und die Aufträge brechen über mich rein.

46. Netzwerk-„Kollegen“ sind mir in irgendeiner Weise verpflichtet.

47. Ich bin Netzwerk-„Kollegen“ verpflichtet.

48. Zurückhaltung ist höchstes Gebot, alles andere wirkt bei meinen Kunden unlauter.

49. Nachhaken = aufdringlich.

50. Kunden sind durch Nachhaken genervt.

51. Am besten, ich schicke Serienmails, um mich bekannt zu machen.

52. Meinen Newsletterverteiler erstelle ich am schnellsten, wenn ich lauter Adressen von vornherein eintrage.

 

Computer und Internet:

53. Ich brauche für alles eine Software.

54. Ohne Kundendatenbank mit allen Schikanen geht gar nichts.

55. Ich habe mich in ein, zwei wichtigen Datenbanken eingetragen. Jetzt kommen Aufträge.

56. Wenn ich eine Website habe, kommen meine Kunden automatisch zu mir.

57. Ich habe mich in Suchmaschinen eingetragen. Jetzt kommen Kunden.

58. Es ist gut, wenn meine Unternehmenswebsite möglichst pompös aussieht. Am besten mache ich auch noch verschiedene Mailadressen dazu wie presse@, marketing@, obwohl alles auf mein eigenes Postfach weitergeleitet wird.

59. Lange Produkt- und Dienstleistungsbeschreibungen auf meiner Website langweilen doch nur.

60. Wenn ich Preise auf meine Website schreibe, vergraule ich bloß die Kunden.

61. Ich melde mich bei lauter Partnerprogrammen an und binde Google-Anzeigen ein und bekomme dadurch ohne etwas zu tun gutes Geld.

62. Ich schreibe einfach Selbstlernkurse und werde damit reich.

63. Wenn keine Kunden über das Internet kommen, muss ich einfach meine Website immer wieder umbauen.

64. Ich muss alle Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen.

65. Ich muss auf jede E-Mail und Kontaktanfrage antworten, die mir Leute reindrücken, auch wenn es offensichtliche Eigenwerbung ist.

 

Mitarbeiter, Kooperationspartner und Dienstleister:

66. Wenn etwas erledigt werden soll, muss ich es selbst machen.

67. Das mach ich lieber selbst.

68. Ein Fachmann weiß bestimmt alles viel besser.

69. Ich habe kein Geld, mir Hilfe einzukaufen.

70. Wenn einer nett ist, arbeitet er gut.

71. Wenn jemand eine Kooperation anstrebt, denkt er an Win-Win.

72. Jeder engagiert sich gleich für das gemeinsame Projekt.

73. Wenn einer fachliche Erfahrung hat, ist er ein guter Selbstständiger.

74. Wir sind doch alles erwachsene Leute.

75. Je öfter wir uns treffen und je intensiver wir über unsere Erwartungen und Ziele reden und sie ausarbeiten, desto mehr Garantie auf Erfolg.

76. Große Pläne, die gut klingen, werden dann auch so umgesetzt.

77. Ablage kann man jeder x-beliebigen Aushilfe geben.

78. Das Geschäftstelefon kann gleichzeitig das Familientelefon sein.

79. Ich kann schlechte Mitarbeiter nicht feuern, weil ich eine Verantwortung für sie habe.

80. Meinen Mitarbeitern muss mein Geschäft genauso wichtig sein wie mir.

81. Dass die Leistung nicht gleich zufriedenstellend ist, kann ja am Anfang mal passieren.

82. Das hätte er/sie doch wissen müssen, das ist doch selbstverständlich, das kann man doch erwarten.

83. Es reicht doch, wenn ich das einmal sage.

 

Zeit- und Selbstmanagement:

84. Selbstständigkeit heißt eben „selbst“ und „ständig“.

85. Die dringenden Dinge sind doch auch immer wichtig.

86. Die wichtigsten Dinge schreien immer am lautesten, und das ist auch gut so.

87. Das mach ich, wenn ich mal Zeit habe.

88. Ich brauche nur die richtige Methode, dann gibt es keine Zeitprobleme mehr.

89. Wenn ich nur mehr Selbstdisziplin hätte, wäre alles gut.

90. Nur unter Druck kann ich so richtig gut arbeiten.

91. Viele Ablagekästen = gute Organisation.

92. Ich muss immer erreichbar sein, überall meine Handynummer abdrucken, ständig (beim Einkaufen, während Besprechungen und anderer Telefongespräche, abends und am Wochenende) ans Telefon gehen.

93. Wenn ich in Urlaub gehe und keine Vertretung habe, springen Kunden ab.

94. Wenn ich in Urlaub gehe oder krank bin und für Vertretung sorge, macht sie mir die Kunden abspenstig.

95. Wenn ich in Urlaub gehe, krank oder überlastet bin und für Vertretung sorge, finden meine Kunden die Vertretung viel besser als mich und gehen lieber zu ihr.

96. Ich habe schon zehn Zeitplanmethoden durch, aber mit der elften wird alles besser.

97. Ich habe keine Zeit, um zu planen.

98. Planen bringt eh nichts: Es kommt ja immer anders als man denkt.

 

Finanzen und Verwaltung:

99. Papierkram ist lästige Bürokratie.

100. Freunden und Bekannten muss ich Freundschaftspreise machen oder darf gar nichts verlangen.

101. Man muss 30 Tage Zahlungsziel machen.

102. Ich muss mich runterhandeln lassen.

103. Man muss Kunden immer drei (oder mehr) Zahlungserinnerungen schicken.

104. Wenn ich mahne, verärgere ich Kunden.

105. Das ist denen zu teuer!

106. Wenn ein Kunde nicht zahlt, braucht man einen Rechtsanwalt.

107. Banken unterstützen gute Geschäftsideen.

108. Das Finanzamt ist mein Feind.

109. Alles Geld, was reinkommt, gehört mir.

110. Kann ich alles absetzen!

111. Jetzt läuft mein Business stabil. Für alle Zeiten.

 

Bonus:

Sie können es jetzt dabei belassen oder Sie können die Gelegenheit beim Schopf packen, um diese Annahmen mit der Wurzel auszureißen:

1. Welche Annahmen haben Sie angekreuzt?

2. Überlegen Sie sich: Was denke ich da GENAU?

3. Fragen Sie sich jeweils: Ist das wirklich so? Woher weiß ich das? Könnte ich das beweisen? Was wäre, wenn es anders wäre? Fallen mir Gegenbeispiele ein? Wo hat mich diese Einstellung schon mal in Schwierigkeiten gebracht?

4. Fragen Sie sich weiter: Was wären die Konsequenzen/was müsste ich ändern, wenn es anders wäre? Welche Möglichkeiten ergäben sich dann für mich?

5. Welche konkreten Schritte ergeben sich daraus?

Noch ein Tipp: Wenn Sie sich bei vielen dieser Annahmen wiedererkannt haben (was ganz normal wäre!), dann nehmen Sie sich doch einfach jeden Tag eine davon vor.

Viele gute Erkenntnisse!

PS: Eine Hilfestellung, um weiteren Annahmen auf die Spur zu kommen:

  • Damit ich professionell wirke, muss ich …
  • Kunden wollen …
  • Wenn ich, was meine Kunden angeht, erst …, dann wird alles gut.
  • Wenn ich, was meine Akquise angeht, erst …, dann wird alles gut.
  • Wenn ich, was das Internet angeht, erst …, dann wird alles gut.
  • Wenn ich, was Mitarbeiter angeht, erst …, dann wird alles gut.
  • Wenn ich, was meine Zeit angeht, erst …, dann wird alles gut.

 

AGB - Impressum und Datenschutz