aufwiegen

6 x Aufwiegen

An einem typischen Selbstständigentag kann es schnell mal kippen: Da starten Sie voll motiviert in den Tag, aber eine Stunde später kommt ein Anruf oder eine E-Mail, die Ihren Blutdruck steigen lässt. Schon schiebt sich die Unterlippe vor oder Sie fuchteln mit Ihrer Faust gen Zimmerdecke. Scheißtag!

Manchmal kippt auch das Einzelkämpfertum, und das sogar, wenn man liebend gerne alleine vor sich hinarbeitet: Dann schmort man in den eigenen Ideen oder hätte gerne eine Aufmunterung.

Was immer tagsüber in eine Richtung kippt, die Ihnen nicht gut tut:

Sorgen Sie aktiv dafür, einen Ausgleich herzustellen! Möglichst zeitnah.

Zum Beispiel:

Alleinsein mit Gesellschaft aufwiegen

Vor zwei Wochen habe ich das Titeldesign meines neuen Buches bekommen und mich total darüber amüsiert. „Menno! Jetzt kann ich das gar niemandem erzählen!“ – Natürlich kann ich. Arbeit beiseiteschieben und zum Hörer greifen. Denn geteilte Freude IST tatsächlich doppelte Freude.

Ob Sie kurz durchklingeln, eine E-Mail schicken oder sich treffen (vielleicht via Skype): Sorgen Sie ruhig dafür, dass Sie immer dann Unterstützung von außen haben, wenn Sie sie brauchen. Nicht nur formell wie bei einem regelmäßigen Mittwochstelefongespräch oder Netzwerktreffen! Sondern auch im Spontanfall.

Ich kann eine gute Freundin von mir zum Beispiel fast immer sehr gut erreichen, und wir rufen uns an, wenn wir uns über was total aufregen oder riesig freuen. Vielleicht brüten Sie aber auch gerade über einem neuen Firmennamen oder Produkt und wünschen sich dringend eine Meinung von außen, weil Sie schon gar nicht mehr klar sehen. Dann warten Sie nicht ab!

Kritik mit Lob aufwiegen

Hoffentlich sind Sie in der glücklichen Lage, dass Sie Ihrre Kunden gerne mögen und gut miteinander arbeiten. Vielleicht sind Sie auch engagiert in einem Verband, Netzwerk oder einer Online-Community aktiv.

Immer mal wieder gibt es Tage, wo man einen linken Haken von jemandem bekommt: Ein Kunde beschwert sich. Online pinkelt Ihnen jemand ans Bein. Oder Ihnen ist tatsächlich ein dummer Fehler passiert, so dass Sie sich zusätzlich gleich selbst noch ärgern.

Das sind dann diese Momente, denen die meisten Menschen zu viel Macht geben. Die berühmten 10 Telefongespräche am Tag, von denen neun erfreulich sind und eines blöd. Das ungute Gespräch überschattet alles, trübt die Stimmung, Sie können an nichts anderes mehr denken.

So wichtig es ist, Kritik auch aufzunehmen – sie anzusehen, für sich zu überprüfen, ob und was daran für Sie berechtigt und brauchbar ist -, so wichtig ist es auch, sie nicht künstlich aufzublasen. Darum ist es gut, sie ins Verhältnis zu setzen:

  • Wie sieht die Bilanz allgemein aus? Nehmen Sie zum Beispiel die neun angenehmen Telefongespräche überhaupt wahr oder dominiert nur noch das eine? Es hilft übrigens, wenn Sie sich Lob, das Sie so bekommen, irgendwo sammeln. Vielleicht einen eigenen E-Mail-Ordner anlegen, indem Sie blättern können, wenn Sie mal getrübter Stimmung sind.
  • Stehen Sie hinter sich selbst? Können Sie aus Ihrer eigenen Haltung heraus Kritik richtig einordnen und ins rechte Verhältnis setzen?

Übrigens hilft bei Kritik an der eigenen Arbeit auch, sich tolle frühere Projekte, auf die Sie stolz sind, vor Augen zu halten. Oder Ihren Lieblingskunden anzurufen und sich bei ihm zu bedanken (natürlich ohne über das Negative, das vorgefallen ist, zu motzen).

Schlechte Stimmung mit Freude aufwiegen

Mit dem falschen Fuß aufgestanden? Zu wenig oder zu viel Arbeit? Oder einfach schlagartig einen Laune-Abfall erlitten? Dann ist Erste-Hilfe-gefragt!

:arrow: Wie kann ich jetzt sofort meine Stimmung aufhellen? Wenn Sie nicht wissen, was Ihnen gut tut, dann schreiben Sie sich für den Ernstfall eine Liste: Welche 10 (oder mehr) kleine Soforthelfer tun mir immer gut? Machen Sie sich ruhig eine weitere Liste mit Zusatzideen, wenn Sie etwas mehr Zeit zur Verfügung haben.

:arrow: Ich denke, dass bei den meisten Menschen das Lachen hilft. Was ja keine Überraschung ist: Wenn man lacht kann man nicht schlechter Laune sein, zumindest wird es mühseliger, die miese Laune aufrechtzuerhalten. Bei mir an der Pinwand hängen ein paar Bilder, die mich immer wieder zum Lachen bringen, wenn ich hinschaue. Sie können auch zum Spiegel gehen und sich anlächeln. Aber ich sage Ihnen, was viel besser hilft: sich im Spiegel eine total scheußliche Grimasse zu ziehen!

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Da muss doch der größte Griesgram lachen, ob er will oder nicht.

Trödeln mit Fleiß aufwiegen

An manchen Tagen dödelt man so rum. Ich zumindest. ;-) Dann doktert man Ewigkeiten an einer Sache rum, schaut noch mal auf diese und jene Website. Ach, ich könnte die Waschmaschine anstellen.

Wissen Sie was: Ist doch gut so! Wir müssen doch gar nicht immer den Turbo eingeschaltet haben. Der gelegentliche Durchhänger ist doch okay … aber nur, wenn es auch wirklich in Ordnung für Sie ist.

Denn es ist ein qualitativer Unterschied, ob Sie bewusst in Zeitlupe Ihre Ablage machen oder ob Sie ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie gerade trödeln wie nichts Gutes!

Vor allen Dingen rächt sich die Alltagströdelei gerne am Abend, wenn Sie mit einem unzufriedenen Gefühl den Arbeitsplatz verlassen: „Heute war ich sowas von unproduktiv!“

Darum überlegen Sie immer, wenn Sie am Tag mal ins Trödeln kippen, ob das jetzt wirklich okay für Sie ist. Ich brauche zum Beispiel morgens immer eine Anlaufzeit. Wenn nicht gerade ein Workshop läuft, vertrödle ich die ersten ein bis zwei Stunden gerne mal. Und das ist für mich in Ordnung, weil ich danach umso produktiver bin. Dennoch muss ich mir eine Trödel-Endzeit geben. Wenn ich es mir mit meinem Kaffee vor dem Computer gemütlich mache und erst mal meine bevorzugten Websites abgrase morgens, dann habe ich einen Plan, zum Beispiel „bis 10 Uhr spätestens dödel ich jetzt rum, und dann mach ich X, Y und Z“.

Dieses „X, Y und Z“ sind spezifische Aufgaben! Also nicht „dann arbeite ich was“, sondern „dann schreibe ich den Newsletter fertig, schicke ihn raus und mache mich an die Ausschreibung vom Checklisten-Workshop“.

Sie sehen: Das muss kein von langer Hand geplanter Plan sein! Sondern wenn Sie merken „Jetzt trödel ich mir zu viel!“, dann sorgen Sie dafür, dass Sie den Tag auch wieder in eine produktive Ecke stellen.

Power mit Abhängen aufwiegen

Ähnlich verhält es sich mit dem Durchpowern. Es wird immer Phasen geben, wo uns EinzelunternehmerInnen die Zunge raushängt, weil alles gleichzeitig kommt oder wir Zusatzaufgaben haben, die nebenbei laufen müssen – wie die Steuererklärung oder die neue Website.

In solchen Fällen werden viele Selbstständige ganz wild, wenn das Umfeld sagt: „Mach einfach mal Pause!“ oder „Denk an dich!“ oder sogar „Hör auf, so viel zu arbeiten!“ Manchmal geht das eben nicht so einfach. Das heißt aber nicht, dass es im Kern nicht stimmt.

Ich finde es hilfreich, tagsüber aufzupassen, wenn es kippt. Man muss nicht immer gleich das Work-Life-Balance-Fass aufmachen! Wenn Sie merken, Sie waren heute Vormittag schon derart produktiv, dass Sie alles, was Sie heute tun wollten, erledigt haben: Müssen Sie dann unbedingt gleich das von morgen machen? Auch wenn Sie gerade Ihre arbeitsreiche Phase haben? … Immerhin hatten Sie für die Arbeit von heute den ganzen Tag eingeplant. Warum sind Sie nicht total stolz drauf, dass Sie in nur drei Stunden so megamäßig was weggeschafft haben – und geben sich den Nachmittag frei?

Vor einigen Jahren kam ich mal heim und fand meinen Nachbarn ans Aschentonnenhaus gelehnt vor. Er saß gemütlich mit dem Rücken gegen die Metallwand auf dem popeligen Grünstreifen, hielt ein Weißbier in der Hand und starrte auf sein Motorrad. Ich habe total gelacht, weil das ein sehr scheußlicher Platz ist und er dasaß wie auf Hawaii am Strand. – Er saß da, um seine Vorfreude auf den Urlaub nächste Woche zu genießen. Einfach so. Find ich super!

„Abhängen“ kann aber viele Formen haben. Vielleicht drücken Sie sich mittags nicht mal eben eine Semmel nebenbei rein, sondern gehen eine Runde raus. Ich zum Beispiel bin keine Spaziergeherin, mich zieht es nicht nach draußen in die Natur. Aber ich mache oft trotzdem zwischendurch eine Pause, indem ich mir sage: „Jetzt gehst du nicht die drei Minuten zum normalen Supermarkt, sondern fährst mit der U-Bahn zum Bio-Supermarkt vor.“ Da bin ich dann etwas länger unterwegs, freue mich über den Sauerstoff, weil es von der U-Bahn länger zu gehen ist und manchmal bekomme ich ein paar Extra-Sonnenstrahlen ab. Im Laden werfe ich nicht routiniert meine typischen Lebensmittel in den Korb, sondern schlendere durch den ‘fremderen’ Supermarkt, wo ich mir dann gleichzeitig was besonders Tolles zum Essen kaufe. Auch das kann „Abhängen“ sein.

Schwer(st)arbeit mit Leichtem-Geld-verdienen aufwiegen

Das ist mein Lieblingspunkt, den Sie sich bitte ganz genau betrachten: Ich kenne nämlich viele Selbstständige, die ihr Geld viel zu schwer verdienen. Damit meine ich nicht nur die Extremfälle, die sich querlegen für ihre Kunden, vielleicht sogar viel zu günstig ihre Preise kalkuliert haben und die trotzdem noch meinen, es ist nie genug.

Ich meine auch das qualitative Beurteilen, was Ihnen leichter und schwerer fällt. Das läuft oft in Nuancen ab, die sehr sehr wichtig sind. Meine Arbeit fokussiert sich ja seit einigen Jahren auf das Schreiben. Und auch wenn mir insgesamt das Schreiben sehr leicht fällt und ich schnell bin, so gibt es bestimmte Schreibarten, die ich völlig mühelos aus dem Ärmel schüttle. Und andere, die auch schnell gehen, die ich auch gerne mache, die aber – im Verhältnis zu den Ärmelschüttlern – mehr Energie kosten.

Sortieren Sie Ihre Leistungen (auch die Einzelschritte und das Drumherum!) danach, auf welcher Seite der Waage sie sich befinden:

  • Sind es eher mühevolle Dinge, die viel Zeit, Nerven und Kraft kosten?
  • Wie könnten Sie diese aufwiegen?
  • Oder: Wie können Sie beschwerenden Aspekte einer bestimmten Leistung vermeiden oder erleichtern?

Das sind natürlich, wie immer, nur einige Ideen zu Ihrer Inspiration! Wichtig finde ich, dass Sie reagieren, sobald Sie merken, dass die Waage auf eine Seite kippt, die Ihnen nicht behagt.

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Von 2008 bis 2014 habe ich Hunderte von Tipps hier auf unternehmenskick.de veröffentlicht. Jetzt ist es Zeit für was Neues! Meine Businesszentrale ist die himbeerwerft.de, wo Sie das "Kaufhaus Gitte" finden (meine Leistungen rund um Ideen, Konzipieren und das Schreiben). Dort blogge ich auch zur Gaudi. Außerdem gibt es mein Schreibblog schreibnudel.de.